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Definition of Done: der Satz, der Nacharbeit verhindert

Ticket, Prüfliste und Erledigt-Spalte als Ablauf

„Bist du fertig?" — „Ja."

Zwei Tage später kommt es zurück: Tests fehlen, niemand hat es abgenommen, die Dokumentation ist von der Vorgängerversion. Fertig war es nie. Es war nur fertig genug für den, der es abgegeben hat.

Das ist kein Sorgfaltsproblem. Es ist ein Definitionsproblem.

Warum „fertig" für jeden etwas anderes heißt

Wer entwickelt, meint mit fertig oft: Es läuft bei mir. Wer testet, meint: Es hält den Grenzfällen stand. Wer verkauft, meint: Der Kunde kann es benutzen. Alle drei sind ehrlich, alle drei meinen etwas anderes.

Solange das ungesagt bleibt, wandert Arbeit zwischen Spalten hin und her. Das Board zeigt Bewegung, das Projekt macht keine.

Die Definition of Done ist ein Satz, keine Verordnung

Eine Definition of Done ist eine kurze Liste von Bedingungen, die für jedes Ticket gelten, bevor es nach „Erledigt" darf. Drei bis fünf Punkte. Wer zwölf aufschreibt, bekommt eine Liste, die niemand liest.

Gute Punkte sind überprüfbar. Man muss sie mit ja oder nein beantworten können, ohne zu diskutieren:

  • Getestet — nicht „ausreichend getestet"
  • Von einer zweiten Person angesehen
  • Dokumentation aktualisiert, wenn sich das Verhalten geändert hat
  • In der Testumgebung sichtbar

Schlechte Punkte klingen ähnlich, sind aber Meinung: „sauber umgesetzt", „gut genug", „ordentlich". Darüber lässt sich streiten, und genau das passiert dann auch.

Was nicht hineingehört

Alles, was nur für manche Tickets gilt. Wenn eine Bedingung bei jedem zweiten Ticket mit „trifft hier nicht zu" beantwortet wird, gehört sie in dieses Ticket — als Teilaufgabe — und nicht in die allgemeine Liste.

Ebenso wenig gehören Wünsche hinein. Eine Definition of Done beschreibt die Untergrenze, nicht das Ideal. Wer sie so hoch ansetzt, dass sie realistisch nie erfüllt wird, hat sie nach zwei Wochen abgeschafft.

Der eigentliche Nutzen kommt vorher

Das Überraschende: Eine Definition of Done wirkt am stärksten nicht am Ende, sondern am Anfang.

Wenn beim Zuschnitt eines Tickets klar ist, dass am Schluss Tests, eine zweite Person und aktuelle Dokumentation dazugehören, schneidet man anders zu. Tickets werden kleiner, weil der volle Aufwand sichtbar ist. Schätzungen werden ehrlicher, weil sie nicht mehr nur die Umsetzung meinen.

Genau hier hängt sie mit der Aufwandsschätzung zusammen: Ein Ticket mit 8 Punkten, dessen Definition of Done drei Prüfschritte verlangt, ist eher ein Ticket mit 13 — und damit eines, das man besser teilt.

Wo sie stehen muss

Nicht in einem Dokument, das jemand vor einem Jahr angelegt hat. An der Stelle, an der man sie braucht: sichtbar am Board, für alle gleich, änderbar ohne Antrag.

Und sie darf sich ändern. Eine Definition of Done, die nach einem halben Jahr noch exakt dieselbe ist, wurde entweder perfekt getroffen oder nie ernst genommen. Meist Letzteres.

Wie man Tickets so zuschneidet, dass die Liste überhaupt erfüllbar bleibt, steht in Work Breakdown Structure. Warum Schätzungen trotzdem danebenliegen, in Zeiterfassung im Projekt.

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