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Projektmanagement

Abhängigkeiten sichtbar machen: warum Projekte an Wartezeit sterben

Abhängigkeiten zwischen Tickets in Stufen dargestellt

Ein Projekt bleibt selten stehen, weil jemand zu langsam arbeitet. Es bleibt stehen, weil jemand wartet.

Und Wartezeit ist tückisch: Sie taucht in keiner Auswertung auf. Das Board zeigt fünf Tickets „in Arbeit", der Bericht zeigt Fortschritt — aber drei dieser fünf liegen still, weil sie auf etwas warten, das nirgends steht.

Abhängigkeiten leben in Köpfen

Frag in einem beliebigen Team, welches Ticket welches blockiert. Du bekommst eine Antwort, und sie ist meistens richtig. Nur steht sie nirgends.

Das funktioniert, solange dieselben drei Leute jeden Tag miteinander reden. Es bricht in dem Moment, in dem jemand krank wird, jemand Neues dazukommt oder das Projekt größer wird als ein Gespräch.

Der Schaden zeigt sich verspätet:

  • Jemand beginnt ein Ticket, das noch gar nicht beginnen kann, und arbeitet halb ins Leere
  • Ein Vorgänger wird fertig, aber niemand merkt es — das wartende Ticket liegt weiter still
  • In der Planung wird ein Termin zugesagt, der die Kette nicht kennt

Was eine Abhängigkeit wirklich ist

Nicht jede Verbindung zwischen zwei Tickets ist eine Abhängigkeit. „Gehört thematisch zusammen" ist keine. „Kann nicht anfangen, bevor das andere fertig ist" ist eine.

Der Test ist einfach: Wenn das eine Ticket nie fertig wird — kann das andere trotzdem fertig werden? Lautet die Antwort nein, ist es eine Abhängigkeit. Lautet sie ja, ist es ein Thema, und dafür gibt es Schlagworte.

Häufiger als gedacht hängt man übrigens nicht am ganzen Ticket, sondern an einem Teil davon. Man braucht den Entwurf aus Ticket 4, nicht das abgenommene Ticket 4. Wer das unterscheiden kann, wartet deutlich seltener unnötig.

Drei Fragen, die eine Abhängigkeitsansicht beantwortet

Sobald die Verbindungen erfasst sind, lassen sie sich in Stufen anordnen: Stufe 1 wartet auf nichts, Stufe 2 erst auf Stufe 1, und so weiter. Das ist keine Zeitachse — innerhalb einer Stufe läuft alles parallel.

Diese Ansicht beantwortet drei Fragen, die vorher Diskussion waren:

  1. Was kann heute jemand anfangen? Alles in Stufe 1. Das ist die Antwort auf „Ich bin fertig, was jetzt?"
  2. Wie lang ist die kürzestmögliche Laufzeit? So viele Stufen es gibt. Mehr Leute machen eine Kette nicht kürzer.
  3. Welches Ticket hält die meisten anderen auf? Das mit den meisten ausgehenden Pfeilen. Genau das gehört nach vorn, unabhängig davon, wie dringend es sich anfühlt.

Der Kreis, den niemand bemerkt

Der unangenehmste Fall: A wartet auf B, B wartet auf C, C wartet auf A. Keines dieser drei Tickets kann je fertig werden — und weil jedes für sich plausibel aussieht, fällt es beim Draufschauen nicht auf.

Beim Eintragen lässt sich das verhindern: Wer eine Abhängigkeit anlegt, die einen Kreis schließen würde, bekommt sie gar nicht erst gespeichert. Bei gewachsenen Projekten hilft nur, danach zu suchen — und einen Kreis dann sichtbar zu melden statt ihn irgendwo einzusortieren.

Womit man anfängt

Nicht mit dem ganzen Projekt. Nimm die fünf Tickets, die gerade offen sind, und trag für jedes ein: Worauf wartet es?

Bei den meisten steht dort nichts — gut, die können sofort los. Bei zwei oder drei wirst du feststellen, dass die Antwort im Kopf schon da war, nur nirgends aufgeschrieben. Genau die sind der Gewinn.

Wenn dabei auffällt, dass ein Ticket auf vier andere wartet, ist das übrigens selten ein Abhängigkeitsproblem, sondern ein Zuschnittproblem. Wie man Arbeit sauber zerlegt, steht in Work Breakdown Structure; die häufigsten Fehler beim Board selbst in 5 Fehler beim Kanban-Board.

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